14 May 2016

Faces You Forget: Nights Out in Saigon

Faces You Forget: Nights out in Saigon zeigt die dunkle Seite der Bui Vien - einer der wichtigsten Straßen Saigons, in denen sich Backpacker zu Hause fühlen.

Der Kurzfilm, der von zwei Expats, Will Snyder und Sean Lambe, gedreht wurde, handelt von dem Leben der Vietnamesen, die versuchen, in der Bui Vien ihr Geld zu verdienen. Außerdem zeigt er, was die Ausländer denken, die sich regelmäßig in dieser Straße aufhalten.

Der Film zeigt dabei besonders die schweren Schicksale vieler Vietnamesen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Kaugummi oder Zigaretten zu verkaufen. Andere, insbesondere Kinder, versuchen ihr Glück als Feuerspucker.

Hier ist der Kurzfilm auf YouTube:

Alternativlink zu Dailymotion: https://www.dailymotion.com/video/x4lcpk3

Ich lebe nun schon über 20 Monate in Vietnam und erlebe täglich einiges. Ich kenne viele schwere Schicksale, die einem immer wieder vor Augen halten, wie brutal unsere Welt sein kann. Dennoch traf der Film mich besonders emotional.

Zu sehen, dass Kinder und Jugendliche praktisch keine Hoffnung auf ein Leben nach ihren Wünschen haben, sondern stattdessen ihr Dasein mit Kleinstverdiensten und ohne Schulausbildung fristen müssen, bricht mir ehrlich gesagt das Herz.

Die Aussagen der Ausländer, die diese Szenerie täglich miterleben, schockieren mich allerdings fast mehr…

That’s the culture”, sagt einer, der zugegebenermaßen auch ein bisschen zu tief ins Glas geguckt zu haben scheint.

Das ist die Kultur?

Kultur” hat viele Definitionen, aber keine davon passt für mich auf das ausbeuterische System, dessen Opfer die Menschen in der Bui Vien sind.

Auf der anderen Seite… was kann man tun?

Als Tourist nicht in die Bui Vien zu kommen, würde wahrscheinlich vielen Menschen die letzte Lebensgrundlage rauben.

Den Verkäufern, Feuerspuckern und Prostituierten, die es offiziell natürlich gar nicht gibt, mehr Geld zustecken? Das würde wahrscheinlich nur noch mehr hoffnungslose Seelen anlocken.

Sollte der Staat eingreifen? Und wenn ja, wie?

Ich kenne keinen Staat, der solche Probleme bislang in den Griff bekommen hätte. Alle Gesellschaften haben ihre dunkle Seite, auf welcher manche von uns ihrem traurigen Alltag nachgehen müssen.

Wenn man sich auf den Film einlässt, ist er besonders hart. Erst recht, wenn einem, wie mir, die Menschen Vietnams schon recht vertraut sind.

Der Kapitalismus hat auch hier voll eingeschlagen. Die Bui Vien ist eigentlich nur die Spitze des Eisberges… . Wenn überhaupt.

Gibt es überhaupt etwas Positives, das der Film zeigt?

Nun, ich denke ja. Auch, wenn das vielleicht erst mal unpassend klingt.

Er zeigt Stärke. Willenskraft, trotz einer gewissen Hoffnungslosigkeit. Und… der Film zeigt Liebe, auf eine seltsame Art.

Der junge Feuerspucker, der die Idee hat, in einer Bar zu arbeiten, um dann seiner Familie Geld zu schicken. Nenne es Tradition oder Liebe, positiv ist es allemal.

Der Vater, der darauf hofft, sein jüngstes Kind wenigstens solange über die Runden zu bringen, bis es 12 Jahre alt ist. Liebe.

Die alte Frau, die sich wenig um die Zukunft sorgt so schon fast wieder lebensfroh wirkt. Eine seltsame Art Stärke und Willenskraft.

Es sind Menschen, bei deren Geschichten ich fast heulen könnte… und doch beeindrucken sie mich. Würde ich die gleiche Kraft haben, in solch einer Situation weiter zu machen?

Ich denke schon irgendwie, aber es ist auch schwer, es sich vorzustellen.

Wenn ich einen Film wie diesen sehe und für ein paar Minuten aus meinem Alltag herausgerissen bin, würde ich am liebsten das ganze System verändern wollen.

Solange dies allerdings nicht passiert, bleibt die Bui Vien wohl die dunkle Verkörperung des Disneylands für Erwachsene.

Solange werden jedes Jahr Touristen herkommen und sich hoffnungslos besaufen, bevor sie wieder nach Hause fahren und die Gesichter der Menschen vergessen…


Hinweis: Dieser Beitrag ist am 14.05.2016 zuerst auf VietmoK, meinem alten Vietnam-Blog, erschienen. Ich mich dazu entschieden, ihn auf diesem Blog zu re-posten”.


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